Wie ein Stand auf dem Bonner Weihnachtsmarkt mit einem simplen Marketing-Konzept richtig Umsatz macht

Der Einzelhandel hat es ja nicht leicht – sagt man. Das Internet, Sie wissen ja. Da gibt es ja sowieso alles billiger, Amazon und co sei Dank. Nur – aus unserer Sicht macht der Einzelhandel aktuell vieles falsch. Wie es besser geht, kann man aktuell auf vielen Weihnachtsmärkten sehen.

Geld drucken mit Lachs

Auf dem Weihnachtsmarkt in Bonn gibt es dutzende Stände mit Bratwurst, Reibekuchen, Flammkuchen und Wasweißichnichtwas. Aber es gibt nur einen Stand, wo die Kunden bis zu 40 Minuten anstehen, um dann absolute Wucherpreise zu bezahlen (meine Meinung). Der betreffende Stand steht noch nicht mal auf dem Hauptplatz, sondern am Rand, ist nicht besonders präsentiert. Dort gibt es „Flammlachs“, der ist also geflammt, nicht geräuchert, verkündet ein Schild.

Lachs gibt es auch an anderen Ständen. Aber hier wird der Lachs an Brettern festgenagelt und neben einem großen Feuer „geflammt“. Ergebnis: Duft nach Kohle, Holz und Lachs, Flammen, Action, ein Gefühl der Frische, so roh. Hier herrschen Handarbeit und Herzblut, das kann jeder sehen. Es ist ein Spektakel – und zieht die Massen an. Die Schlange ist grundsätzlich mehrere Meter lang, wer drankommt, bekommt aber erst eine Wartemarke – der Lachs muss schließlich frisch gemacht werden! Gezahlt wird trotzdem direkt. Bis zu 40 Minuten beobachten die hungrigen Gäste, wie der Lachs geflammt und zubereitet wird.

Das Ergebnis: Der Kunde zahlt die Show!

Dann, wenn genug Wasser im Mund zusammengelaufen ist, bekommt der Gast seinen Flammlachs. Die günstigste Portion besteht aus einem Fertigbrötchen, in dem vielleicht 100 Gramm Lachs liegen. Kostenpunkt: 7€. Wer ein Lachs-Schiffchen haben will, bekommt das, was Sie auf dem Bild sehen können – für 14€. Die Serviette ist gratis. Glaube ich.

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Sie fragen sich, wie schmeckt er, der Lachs? Wie Lachs. Mag ich Lachs? Ja. Habe ich gerade 14 Euro für vier Gabeln Lachs gezahlt? Ja. Ist er das wert? Nein.

Nochmal: Die Schlange ist mehrere Meter lang und die Leute warten über eine halbe Stunde, auf Lachs, der nach Lachs schmeckt und viel zu teuer ist. Der Weihnachtsmarkt ist zwar an sich schon viel zu teuer – aber 14€ entsprechen auch hier normalerweise einem Glühwein, einer Portion Reibekuchen und zwei Bratwürsten im Brötchen mit Senf. Und darauf muss ich nicht warten. Aber da gibt’s auch kein Spektakel.

Was kann der Einzelhandel also mitnehmen?

  • Gibt es bei Ihnen ein „Spektakel“ – also ein Erlebnis? Das ist das einzige, was das Internet nicht bieten kann!
  • Schaffen Sie Interesse und Begehrlichkeit? Eine lange Schlange scheint immer ein Zeichen für Qualität zu sein! Und eine Warteliste sorgt für Interesse.

Fragen Sie sich immer – was zieht die Leute an? Beratung? Gibt’s im Netz auch. Produkte sowieso. Aber Events, echte Erlebnisse, dafür müssen Menschen zu Ihnen kommen. Dabei hilft das Internet übrigens weiter: Sie müssen ja auch Leute finden, die zu Ihnen kommen oder Tickets für Ihre Warteliste verkaufen.

Und wenn Sie denken: „Das geht bei uns alles nicht“ – schauen Sie mal auf dem Weihnachtsmarkt in Ihrer Nähe vorbei. Wo ist etwas los, und wo nicht – und warum? Oder Sie melden sich mal bei uns für ein Konzept und die gemeinsame Umsetzung. Wir freuen uns! Hier können Sie uns schreiben.

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Fotos: Ruben Schäfer